Mercedes Benz Actros M "Weber / Stuttgart 21"


Dieses Projekt ist aus reinem Zufall entstanden. Mit ein paar Freunden war ich bei einem Modellbahnhändler zum Stöbern. Diesen Actros hatte ich auf den ersten Blick nicht wahrgenommen bis ich quasi mit der Nase darauf gedrückt wurde. Da ich schon ein paar Container besitze, die bei dem Mercedes als Ladung dienen, musste auch ein entsprechendes Transportfahrzeug her. Im Gegensatz zu den Mulden von Rocky-Rail können die Mulden von Herpa geöffnet werden. Die Heckklappe kann mit dem Finger geöffnet werden, was allerdings später im Modell automatisch geschehen soll. 

 

Kurzum, das Modell wurde mitgenommen und noch am selbigen Tag zerlegt und das Projekt in Angriff genommen.

 

Für den Antrieb kommt ein selbst konstruiertes Getriebe zum Einsatz. Die Übersetzung des Doppelgetriebes beträgt 1:19. Angetrieben wird das Ganze mit einem 6 mm Motor mit Planetengetriebe 1/5. 

Neben der Fahr- und Kippfunktion sollte das Fahrzeug auch Licht bekommen. Die Warnleuchten auf dem Dach sollten aber nicht einfach leuchten sondern Drehspiegelleuchten simulieren. Mit einer Led ist dies leider nicht wirklich möglich also wurden drei Leds in die ausgebohrte Leuchte gepackt und mit einem entsprechenden Tiny angesteuert. Die 0402 Leds symmetrisch in der Leuchte zu platzieren war nicht ganz einfach und bedarf mehr als einem Versuch. 

Damit möglichst wenig Kabel aus dem Führerhaus geführt werden müssen, habe ich die Widerstände und die Steuerplatine für die Rundumlichter direkt unter das Dach des Führerhauses gepackt. 

Insgesamt sind es nur drei Kabel die nach untern geführt werden müssen.

 

grün = Masse fürs Licht

blau = extra Licht (Rundumleuchten)

rot    = Plus

Da es sich bei dem Fahrzeug um ein Baustellenfahrzeug handelt, sollte dieses auch etwas geländegängig sein. Ein pendelndes Doppelgetriebe als Antrieb ist bei einem Kipper nicht unbedingt von Vorteil. Vor allem nicht wenn dieser doch recht leicht ist, da die Gefahr besteht, dass dieser nach hinten kippt wenn man die Mulde auskippt. Ich habe mich für einen festen Antrieb entschieden, was beim Abkippen für einen stabilen Stand sorgt. Dafür sind die beiden vorderen Achsen pendelnd gelagert. 

Mit einem Dremel und einem kleinen Fräser wurde der Fahrzeugrahmen entsprechend bearbeitet, damit genug Platz für Getriebe, Achsen und Servo vorhanden ist. Die Aussparungen für die Vorderräder sind nur grob. Der Feinschliff kann erst getätigt werden, wenn die Räder an ihren Plätzen sind und man sieht, wo diese beim Einlenken oder Einpendeln noch schleifen.

 

Oben am Rahmen sieht man sehr schön die Aussparung für das Servo. Darunter ist die Nut für die pendelnden Vorderachsen. Die Tanks werden im weiteren Verlauf des Umbaus als Deko für Widerstände, Ladebuchse und Schalter herhalten müssen.

Die Vorderachsen sind grob platziert und dort wo es noch hakt bzw. schleift wird nachgearbeitet. Bei den Vorderachsen handelt es sich um eine Mischung aus selbst konstruierten 3D-Druckteilen und Herpa Lenkungsteilen. Die Herpa Lenkungsteile haben den Vorteil, dass sich der Drehpunkt der Räder in der Mitte befindet. Ein Ausfräsen der Kotflügel fällt dadurch weg bzw. wird auf ein Minimum reduziert. Damit auf den Vorderachsen etwas mehr Gewicht liegt, wurden Felgen aus Messing verbaut. Diese gibt es hier und die Lenkungsteile hier.

Auf den folgenden Bildern sieht man sehr schön, dass die vorderen Achsen zu tief hängen.

Beim zweiten Bild wurden die Achsen um 0,75 mm erhöht und schon ist das Bild der Achsen stimmig.

Der Unterschied scheint minimal zu sein macht sich aber im späteren Fahrbild deutlich bemerkbar. Die Plastikreifen von Herpa sind für ein Fahrmodell ungeeignet. Aus diesem Grund wurden selbst konstruierte Reifen zuerst 3D gedruckt und anschließend aus Silikon abgeformt. 

Nun steht der LKW schon mal auf seinen eigenen Füßen und könnte auch schon fahren. Nur mit dem Lenken wird es schwierig, das müsste man wie vor vielen Jahren üblich über Seile tätigen da noch kein Servo verbaut ist. 

Sobald das Servo fixiert ist geht es an die Lenkgeometrie, die ist bei einem 4 Achs LKW nicht ganz so einfach. 

Man könnte einfach einen Lenkhebel basteln und die vorderen Achsen gleichmäßig ansteuern, dann würde diese allerdings im gleichen Winkel einschlagen. Für Offroad-Fahrzeuge explizit Trailfahrzeuge ist dies optimal, da diese Fahrzeuge im weichen Untergrund unterwegs sind und öfters die erste Achse in der Luft ist. Dadurch ist man wendiger wenn die zweite Lenkachse einen genauso großen Lenkeinschlag hat wie die erste.

Aber zurück zu unserem Kipper, dieser wird die meiste Zeit auf asphaltierten Straßen unterwegs sein. Dafür sollte man sich in groben Zügen am Ackermann-Prinzip orientieren und die Vorderräder entsprechend unterschiedlich einschlagen lassen.

 

Nachdem die Achsen platziert und das Servo eingepasst wurden geht es an die Elektronik. Licht stand auch im Pflichtenheft für dieses Modell.

Der Empfänger wurde horizontal im Führerhaus platziert, was sich später als nicht ganz optimal herausstellen wird. 

Unter dem Empfänger wurde aus Evergreen Profilen ein kleiner Sockel gefertigt. Dieser dient als Erhöhung damit die Reifen der vorderen Achse nicht an diesem schleifen.

Beim Servo wurden die normalen Kabel entfernt und durch Lackdraht ersetzt. Das spart einiges an Platz im vorderen Bereich des Führerhauses.

 

Für die Verkabelung verwende ich farbigen Lackdraht, das erleichtert die Verkabelung ungemein. 

Kleines Beispiel:

Servosignal:          gelb

Licht:                      grün

extra Licht:            blau

Motorausgang:     orange

Plus:                       rot

Minus:                    schwarz

 

Der verwendete Deltang RX43 wurde so konfiguriert, dass dieser 2x H-Ausgänge, 2x F-Ausgänge und 6x P-Ausgänge hat.

Die Motorregler onboard werden für die Kippfunktion am LKW und am Hänger verwendet. Für die Fahrfunktion wurde ein Motortiny2 verwendet. Das bekommt ihr bei Klaus. Das Motortiny2 steuert auch den Rückfahrscheinwerfer und das Bremslicht. Dadurch spart man am Deltang 2x P-Ausgänge.

 

F1 wird für das Licht verwendet

F2 für die Rundumleuchten

P1 - Lenkservo

P2 - Blinker links

P3 - Blinker rechts

P4 - Arbeitslicht

P5 - Tagfahrlicht

P6 - Servoausgang Motortiny2

 

Die Reifen auf der Hinterachse bitte auf den Bildern nicht bewerten :-)

Für die Beleuchtung an der Vorderseite wurden zum einen für das Fahrlicht Leds der Größe 0603 und für das Tagfahrlicht der Größe 0401 verwendet.

Das Hinterteil des Lampenträgers wurde etwas ausgefräst, damit dieser bündig abschließt.

Auf dem linken Bild sieht man die Widerstände für die vorderen Scheinwerfer, die Blinker und die fertig eingebauten Leds für die Frontscheinwerfer und das Tagfahrlicht.

Auf dem rechten Bild sind die noch unlackierten Leds am Heck zu sehen. Diese werden später mit farbigem Klarlack von Tamiya angemalt, ebenso wie die seitlichen Begrenzungsleuchten. Am Heck wurden Leds der Größe 0603 verbaut. Für die seitlichen Begrenzungsleuchten Leds der Größe 0402.

Die Widerstände für die Rück- und Begrenzungsleuchten wurden in einem Tank platziert. Ich platziere die Widerstände in der Plus-Leitung. Die Widerstände haben eine gemeinsame Zuleitung (Plus) und auf der anderen Seite geht es direkt zur entsprechenden Led.

Für die Beleuchtung wurden folgende Widerstandswerte verwendet:

 

Bremslicht:                                          390 Ohm

Rücklicht:                                             820 Ohm

Rückfahrlicht:                                      390 Ohm

Blinker:                                                  560 Ohm

Begrenzungsleuchten seitlich:         10 kOhm

Begrenzungsleuchten Dach:             10 kOhm

Rundumlicht:                                       390 Ohm

Tagfahrlich:                                         820 Ohm

Fahrlicht:                                             560 Ohm 

Arbeitslicht:                                        390 Ohm

Diese Werte können je nach Geschmack, Art und Farbe der Led variieren und sollten nicht 1:1 übernommen sondern als Richtwert gesehen werden.                                        

Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist die Verkabelung fertig. Die Ladebuchse und der Ein-/ Ausschalter wurde auf der linken Seite zwischen der 2. und 3. Achse platziert. Für den Anhänger wurde auch schon eine entsprechende Buchse verkabelt und verbaut. An den Anhänger werden später ein Motorausgang, das Licht und die Blinker-Signale mittels Lackdraht übertragen.

Für den Kippantrieb kommt eine Kombination aus 3D-Druckteilen und Messing zum Einsatz.

Der Antrieb besteht aus einem 4 mm Motor mit angeflanschtem Planetengetriebe. Gegenüber den bisher verwendeten Motoren ist das Planetengetriebe bei diesem Motor aus Metall ebenso die Welle. Diese ist allerdings 2 mm dick. Den Motor könnt ihr von www.1zu87modellbau.de beziehen. Hier ist der direkte Link. 

Das 3D-Druckteil samt Adapter gibt es bei Shapeways, hier ist der direkte Link. Die Gewindestange M1.2 wird direkt vom Motor über den Adapter angeflanscht. Die Gewindestange wird mittels einer Kupferbuchse 1,2 mm geführt und am andren Ende in einem Kugellager (1x3x1 mm) gelagert. Hierfür wurde die Gewindestange auf 1 mm Durchmesser abgeschliffen.

 

Der Schlitten, der die Hebel zum Kippen ansteuert ist aus Messing gefertigt. In den Schlitten werden zwei Löcher gebohrt. Zum einen ein 1 mm Loch um eine Welle einzulöten/einzukleben, auf die später zwei Messinghebel zum Kippen gesteckt werden. Anschließend wird ein 0,95 mm Loch gebohrt, in dieses ein M1.2 Gewinde geschnitten wird. 

 

Die Hebel für die Kippfunktion (im oberen Bild rotbraun) sollten einen Lochabstand von ungefähr 19 mm haben und max. 1 mm stark sein. Das garantiert einen recht steilen Kippwinkel der Mulde und die Ladung rutscht von selbst aus der Mulde.

Erste Anprobe des Kippaufbaus. Dabei wurde festgestellt, dass die Kipphebel noch etwas zu kurz sind. Also noch mal ran und ein paar neue Hebel fertigen. Aber optisch macht das schon was her.

Ein Fahrer darf natürlich auch nicht fehlen und für die Wartezeit während der Beladung hat er auch eine Zeitschrift dabei.

Wie am Anfang schon erwähnt stellte sich gegen Ende des Projektes heraus, dass der Empfänger an der Stelle etwas ungünstig platziert ist. Der geplante 180 mAh Lipo passt jetzt leider nicht mehr stehend in die Kabine. Aus diesem Grund musste ich auf einen 120 mAh Lipo ausweichen der quer hinter dem Fahrer Platz gefunden hat. 

Jetzt fehlt nur noch ein passender Anhänger damit sich die Fahrten auch lohnen. Ein Goldhofer TU 4 steht auch noch auf der Wunschliste.

Die ersten Aufträge wurden schon erfolgreich absolviert. Der Kunde und ich sind mit dem Fahrzeug sehr zufrieden.


Tridem - Kippanhänger

Nach den ersten ausgiebigen Probefahren und Tests wurde der Entschluss gefasst, das Teil braucht auch nen Anhänger.  Ein normaler Anhänger passt optisch nicht zu so einem Gefährt, also musste wieder in die Bastelkiste gegriffen werden. Nach ein paar kleinen Experimenten entschied ich mich für einen Tridem Anhänger. Mit den 3 Achsen dürfte ich auch keine Probleme mit der Rennleitung bezüglich der Achslast bekommen.

Der Anhänger soll kippen können und ein normale Beleuchtung bekommen.

Wie beim Zugfahrzeug kommt im Anhänger die gleiche Kippmechanik zum Einsatz. Der Einzige Unterschied ist, das der Adapter von Motorwelle auf Gewindestange nicht aus Messing sondern ein 3D-Druckteil ist. Bei diesem ist die Fase für die Motorwelle integriert. 

Der Rahmen der Mechanik wurde mit grauer Farbe lackiert und an den Rest des Hängers angepasst. 

 

Für die Beleuchtung wurden die gleichen LEDs verwendet wie beim Zugfahrzeug, die Widerstände haben ebenfalls die gleichen Werte. Mit farbigem Klarlack wurden die LEDs in mehreren Schichten eingefärbt.

Die Buchse für die Kabelanbindung zum Hänger ist nicht hinten am Fahrzeug sondern zwischen der 2. und 3. Achse. Da insgesamt 6 Kabel nach hinten gehen, war mir die Buchse am Heck zu groß und aus diesem Grund wurde ein anderer Platz gewählt. Mittels zwei kleiner Messinghaken werden die Lackdrähte unten am Rahmen geführt. Für die Beleuchtung wurden die Signale direkt vom Deltang an die Buchse gelegt. Der Kippantrieb wird über den 2. H-Ausgang angesteuert.

 

Was man auf dem Foto des Zugfahrzeuges auch noch sehr  gut erkennen kann ist die Lenkstange, die fast über die komplette Länge des Fahrzeuges reicht. Den Drehpunkt habe ich bewusst zwischen den beiden hinteren Achsen gewählt um ein möglichst stimmiges Bild beim Lenkeinschlag zu bekommen. 

Einen kleinen ersten Belastungstest gab es auch schon. Wenn der Kleine die zwei beladenen Mulden zieht merkt man deutlich das Gesamtgewicht des Fahrzeugs. Wie im Original auch wird er etwas träge, schlägt sich aber sehr gut.